FAQ / Wissensinfrastruktur verstehen

Die häufigsten Fragen zu Wissensinfrastruktur mit KAPRI

Wissen und Verantwortung

Ein Knowledge Asset ist ein abgegrenzter, verantworteter und versionierter Bestand von Wissen innerhalb einer Organisation.

Es kann beispielsweise Regeln, Prozesse, Methoden, Begriffe, Modelle oder fachliche Zusammenhänge umfassen. Entscheidend ist nicht das Dateiformat, sondern dass das Wissen:

  • einen definierten Gegenstand und Geltungsbereich besitzt;
  • einer verantwortlichen Organisation zugeordnet ist;
  • als eigenständiges Asset verwaltet wird;
  • in unterscheidbaren Versionen veröffentlicht werden kann.

Ein Knowledge Asset ist daher weder eine einzelne Datei noch ein bestimmtes Dokument. Dateien sind lediglich mögliche Darstellungen seines Inhalts.

KAPRI veröffentlicht eine bestimmte Version eines Knowledge Asset als Knowledge Asset Package. Das Package macht diese Version identifizierbar, austauschbar und technisch überprüfbar.

Kurz gesagt:

Das Knowledge Asset ist das verantwortete Wissen. Das Knowledge Asset Package ist seine veröffentlichte, interoperable Darstellung.


Ein Content Item ist eine logisch abgegrenzte Einheit innerhalb eines Knowledge Asset.

Das kann beispielsweise sein:

  • ein Begriff;
  • eine Definition;
  • eine Regel;
  • ein Prozessschritt;
  • eine Anforderung;
  • ein Modell;
  • ein Diagramm;
  • ein Datensatz.

Ein Content Item besitzt eine eigene Identität und kann in einer Composition hierarchisch eingeordnet oder mit anderen Content Items in Beziehung gesetzt werden.

Es ist unabhängig von seiner technischen Darstellung: Ein Content Item kann durch eine oder mehrere Dateien repräsentiert werden. Umgekehrt kann eine Datei zur Darstellung mehrerer Content Items beitragen.

Kurz gesagt:

Ein Content Item ist ein identifizierbarer inhaltlicher Baustein eines Knowledge Asset – unabhängig davon, in welcher Datei er dargestellt wird.


Wissen entwickelt sich weiter. Neue Erkenntnisse, Erfahrungen oder Anforderungen können bestehende Aussagen ergänzen, verändern oder ersetzen.

Ein Wissensstand beschreibt den Zustand eines abgegrenzten Wissensbereichs zu einem bestimmten Zeitpunkt. Eine Version macht diesen Wissensstand eindeutig identifizierbar.

Eine Organisation übernimmt Verantwortung für einen Wissensstand, indem sie festlegt:

  • welcher Inhalt dazugehört;
  • für welchen Geltungsbereich er bestimmt ist;
  • welche Version veröffentlicht wird;
  • zu welchem Zeitpunkt die Veröffentlichung erfolgt;
  • dass diese Fassung von ihr freigegeben wurde.

Ein veröffentlichter Wissensstand bleibt unverändert. Entwickelt sich das Wissen weiter, entsteht ein neuer Wissensstand, der als neue Version veröffentlicht werden kann.

Verantwortung bedeutet nicht, dass der Inhalt für jeden Zweck richtig oder verbindlich ist. Empfänger entscheiden selbst, ob sie der Organisation vertrauen und den veröffentlichten Wissensstand verwenden.

Kurz gesagt:

Ein verantworteter Wissensstand ist eine eindeutig versionierte und einer Organisation zugeordnete Darstellung von Wissen zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Ein Dokument ist eine mögliche Darstellung von Wissen. Ein Knowledge Asset beschreibt dagegen das verantwortete Wissen selbst – unabhängig von einer bestimmten Datei oder Darstellungsform.

Ein Knowledge Asset besitzt:

  • eine eigene Identität;
  • einen definierten Gegenstand und Geltungsbereich;
  • eine verantwortliche Organisation;
  • nachvollziehbare Wissensstände und Versionen;
  • eine logische Struktur aus Content Items;
  • einen geregelten Veröffentlichungs- und Entwicklungsprozess.

Es kann durch ein Dokument, mehrere Dateien, Daten, Modelle, Bilder oder andere Medien dargestellt werden. Diese Darstellungen können sich ändern, ohne dass dadurch automatisch ein anderes Knowledge Asset entsteht.

Kurz gesagt:

Ein Dokument stellt Wissen dar. Ein Knowledge Asset macht dieses Wissen zu einer identifizierbaren, verantworteten und entwicklungsfähigen Ressource.

Wissen wird zum organisatorischen Vermögenswert, wenn es nicht nur vorhanden ist, sondern bewusst abgegrenzt, verantwortet und dauerhaft nutzbar gemacht wird.

Dazu legt eine Organisation fest:

  • welches Wissen einen Nutzen besitzt;
  • welchen Gegenstand und Geltungsbereich es hat;
  • wer dafür verantwortlich ist;
  • wie es gepflegt und weiterentwickelt wird;
  • welche Wissensstände veröffentlicht wurden;
  • wie Herkunft, Integrität und Nutzbarkeit erhalten bleiben.

KAPRI unterstützt diesen Prozess, indem ein Wissensstand als eindeutig identifizierbares, versioniertes und überprüfbares Knowledge Asset Package veröffentlicht werden kann.

Dadurch wird Wissen auffindbar, nachvollziehbar, austauschbar und unabhängig von einzelnen Personen oder Systemen nutzbar. Es kann gezielt in Prozesse, Entscheidungen, Produkte und organisationsübergreifende Zusammenarbeit einfließen.

Ob ein Knowledge Asset zusätzlich als bilanzierungsfähiger Vermögenswert eingeordnet werden kann, richtet sich nach den jeweils geltenden rechtlichen und wirtschaftlichen Kriterien.

Kurz gesagt:

Wissen wird zum Vermögenswert, wenn es als verantwortete Ressource dauerhaft nutzbar gemacht wird und erkennbaren Wert für eine Organisation oder ein Knowledge Network schafft.

Veröffentlichung und Nachweis

Ein Knowledge Asset Package, kurz KAP, ist die veröffentlichte und überprüfbare Darstellung einer bestimmten Version eines Knowledge Asset.

Es verbindet die eigentlichen Inhalte mit den Informationen, die für ihre eindeutige Einordnung erforderlich sind:

  • Welches Knowledge Asset wird dargestellt?
  • Um welche Version handelt es sich?
  • Welche Organisation ist verantwortlich?
  • Welche Dateien gehören dazu?
  • Wie sind die Inhalte strukturiert?
  • Wurden sie nach der Veröffentlichung verändert?

Dafür enthält ein KAP ein Manifest, eine Packing List, mindestens eine Composition und die zugehörigen Dateien.

Die digitale Signatur und die kryptografischen Hashes ermöglichen es Empfängern, Herkunft und Integrität technisch zu prüfen.

Kurz gesagt:

Ein Knowledge Asset Package macht aus einer Sammlung von Dateien eine identifizierbare, strukturierte und überprüfbare Wissensveröffentlichung.

ZIP, Git, OKF und KAP lösen unterschiedliche Probleme.

Ein ZIP-Archiv bündelt Dateien und erleichtert ihren Transport. Es beschreibt aber nicht, welche veröffentlichte Version eines Knowledge Asset die Dateien repräsentieren oder welche Organisation dafür verantwortlich ist.

Git verwaltet Änderungen und unterstützt die Zusammenarbeit während der Entstehung. Ein Repository ist jedoch kein einheitliches, unveränderliches Veröffentlichungsformat.

Das Open Knowledge Format von Google organisiert Wissen als Markdown-Dateien mit YAML-Metadaten. Es ist leicht lesbar, Git-freundlich und besonders für Wissenskataloge und KI-Agenten geeignet. OKF legt jedoch bewusst nur wenige Anforderungen an das Inhaltsmodell fest.

Ein KAP definiert dagegen eine überprüfbare Veröffentlichung. Es standardisiert:

  • Identität und Version;
  • verantwortliche Organisation;
  • logische Struktur;
  • vollständige Datei-Inventarisierung;
  • kryptografische Integrität;
  • digitale Signatur;
  • optional verschlüsselte Inhalte und recipient-spezifische Schlüsselverteilung.

Die Formate können miteinander kombiniert werden:

  • Git verwaltet die Entstehung.
  • OKF kann die Wissensinhalte strukturieren.
  • ZIP kann den Transport vereinfachen.
  • KAP definiert die verbindliche Veröffentlichung und ihre technische Überprüfbarkeit.

Ein KAP kann beispielsweise ein vollständiges OKF-Bundle als Inhalt enthalten.

Kurz gesagt:

- Git verwaltet Änderungen.
- OKF strukturiert agentenlesbares Wissen.
- ZIP verpackt Dateien.
- KAP veröffentlicht eine überprüfbare Wissensversion.


Eine Composition beschreibt die logische Struktur eines Knowledge Asset – unabhängig davon, wie seine Inhalte in Dateien gespeichert sind.

Sie legt fest:

  • welche Content Items zum Knowledge Asset gehören;
  • wie diese hierarchisch organisiert sind;
  • welche Beziehungen zwischen ihnen bestehen;
  • durch welche Package Files sie dargestellt werden.

Content Items können nicht nur eine Hierarchie, sondern auch ein Netzwerk bilden. Über typisierte Beziehungen lassen sich beispielsweise Abhängigkeiten, Verweise, Voraussetzungen oder inhaltliche Zusammenhänge ausdrücken.

Ein Content Item kann durch mehrere Dateien dargestellt werden, und eine Datei kann zu mehreren Content Items beitragen.

Kurz gesagt:

Die Packing List sagt, welche Dateien vorhanden sind. Die Composition beschreibt ihre logische Ordnung – als Hierarchie, Netzwerk oder Kombination aus beidem.


Integrität bedeutet, dass ein Package vollständig ist und seit seiner Veröffentlichung nicht unbemerkt verändert wurde.

KAPRI prüft Integrität auf mehreren Ebenen:

  • Die Packing List enthält Hashwerte und Größen aller Package Files.
  • Das Manifest enthält Hashwerte der Packing List und der Compositions.
  • Die digitale Signatur schützt das Manifest und damit die gesamte daraus entstehende Integritätskette.

Dadurch werden beispielsweise veränderte, beschädigte, fehlende oder ausgetauschte Dateien erkennbar.

Ein technisch integres Package entspricht somit noch dem signierten Veröffentlichungsstand.

Integrität bedeutet jedoch nicht, dass der Inhalt fachlich richtig, aktuell oder vertrauenswürdig ist. Diese Bewertung bleibt eine eigene Entscheidung des Empfängers.

Eine digitale Signatur verbindet ein Knowledge Asset Package kryptografisch mit dem Zertifikat seines Producers. Sie macht überprüfbar, mit welchem Zertifikat das Package signiert wurde und ob es danach verändert worden ist.

Beim Wissenstransfer über Organisations- und Systemgrenzen hinweg schafft sie damit einen unabhängigen Nachweis von Herkunft und Integrität.

Ob der Empfänger dem Producer vertraut und den veröffentlichten Wissensstand verwendet, bleibt eine eigene Entscheidung.

Kurz gesagt:

Die digitale Signatur macht die Herkunft und Unversehrtheit eines übertragenen Wissensstands technisch überprüfbar.

Eine digitale Identität ermöglicht es einer Organisation, sich beim elektronischen Austausch erkennbar zu machen.

Dafür erhält sie ein Zertifikat. Dieses enthält ihren Namen und einen Public Key. Mit dem dazugehörigen geheimen Private Key kann sie beispielsweise ein Knowledge Asset Package signieren.

Die Zertifikatskette zeigt, wer das Zertifikat ausgestellt hat:

Root CA
   ↓
Intermediate CA
   ↓
Producer

Der Empfänger kann jede Verbindung dieser Kette prüfen. So lässt sich feststellen, ob das Producer-Zertifikat tatsächlich von den angegebenen Zertifizierungsstellen ausgestellt wurde.

In KAPRI macht das Producer-Zertifikat den Signierenden eines Package erkennbar. Das Recipient-Zertifikat legt fest, für welchen Empfänger File Keys verschlüsselt werden.

Kurz gesagt:

Das Zertifikat macht einen Teilnehmer digital erkennbar. Die Zertifikatskette zeigt nachvollziehbar, wer diese Identität bestätigt hat.

Vertrauen und Austausch

Validierung prüft objektive technische Eigenschaften eines Knowledge Asset Package.

Sie beantwortet beispielsweise:

  • Ist das Package vollständig?
  • Stimmen die Hashwerte?
  • Ist die digitale Signatur gültig?
  • Ist die Zertifikatskette technisch korrekt?

Vertrauen ist dagegen eine Entscheidung des Empfängers. Sie beantwortet Fragen wie:

  • Vertraue ich der verantwortlichen Organisation?
  • Ist der veröffentlichte Wissensstand für meinen Zweck geeignet?
  • Akzeptiere ich die verwendete Zertifizierungsstelle?
  • Darf oder möchte ich den Inhalt verwenden?

Ein Package kann technisch vollständig und unverändert sein, obwohl der Empfänger seiner Quelle nicht vertraut. Umgekehrt macht Vertrauen in eine Organisation ein beschädigtes oder ungültig signiertes Package nicht technisch valide.

Kurz gesagt:

Validierung stellt technische Fakten fest. Vertrauen entscheidet, welche Bedeutung der Empfänger ihnen gibt.

Interoperabilität bedeutet, dass unterschiedliche Organisationen und Systeme Wissen austauschen können, ohne für jede Verbindung eine eigene technische Lösung entwickeln zu müssen.

Dafür müssen alle Beteiligten dieselben grundlegenden Regeln verstehen:

  • wie ein Wissensstand identifiziert und versioniert wird;
  • wie Inhalte und Dateien strukturiert sind;
  • wie Herkunft und Integrität geprüft werden;
  • wie verschlüsselte Inhalte bereitgestellt werden.

KAPRI definiert diese gemeinsamen Regeln. Ein System kann dadurch ein Knowledge Asset Package erzeugen, das von einem unabhängigen System gelesen und validiert werden kann.

Kurz gesagt:

Interoperabilität macht Wissen über Organisations- und Systemgrenzen hinweg auf einer gemeinsamen Grundlage austauschbar und überprüfbar.

Innerhalb eines Systems sind Bedeutung, Struktur und Herkunft von Wissen häufig durch lokale Abläufe bekannt. Beim Austausch mit anderen Organisationen fehlt dieser gemeinsame Kontext.

Ohne gemeinsame Regeln bleiben wichtige Fragen offen:

  • Welcher Wissensstand wurde übertragen?
  • Wer ist dafür verantwortlich?
  • Welche Inhalte gehören dazu?
  • Wie sind sie strukturiert?
  • Wurde seit der Veröffentlichung etwas verändert?
  • Wie kann das empfangende System die Informationen verarbeiten?

Gemeinsame Regeln machen diese Angaben eindeutig und maschinenlesbar. Dadurch können unabhängige Systeme Wissen austauschen, prüfen und einordnen, ohne ihre internen Strukturen vereinheitlichen zu müssen.

Kurz gesagt:

Gemeinsame Regeln erhalten Bedeutung, Verantwortung und Nachvollziehbarkeit, wenn Wissen seine ursprüngliche Systemgrenze überschreitet.

Das größere Ziel

Ein Knowledge Network entsteht, wenn unabhängige Organisationen Wissen interoperabel über Organisationsgrenzen hinweg veröffentlichen, austauschen und nutzen.

Jede Organisation bleibt für ihre eigenen Knowledge Assets verantwortlich. Über Knowledge Asset Packages können veröffentlichte Wissensversionen in einer einheitlichen, überprüfbaren Form bereitgestellt werden.

Empfänger können diese Packages unabhängig validieren und selbst entscheiden, welchen Organisationen und Veröffentlichungen sie vertrauen.

Ein Knowledge Network benötigt deshalb keine zentrale Wissensplattform. Es entsteht durch den geregelten Austausch zwischen eigenständigen Teilnehmern.

Kurz gesagt:

Ein Knowledge Network verbindet verantwortete Wissensveröffentlichungen verschiedener Organisationen zu einem interoperablen, föderierten Austauschraum.


Eine Wissensinfrastruktur stellt die gemeinsamen Formate, Signaturverfahren und Vertrauensmechanismen bereit, auf die sich alle Teilnehmer eines Knowledge Networks verlassen. Ohne sie müsste jede Organisation Herkunft und Integrität von Wissen individuell und uneinheitlich prüfen – ein Knowledge Network wäre praktisch nicht handhabbar.

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